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Ho-Ho-Ho

 

Ho-Ho-Ho

 

Heute kommt der Nikolaus…zu Euch auch? Zu uns Gott sei Dank nicht mehr. Ich erinnere mich auch nicht besonders gerne an die Zeit als der rot bemantelte Mann mit weißem Rauschebart und einem komisch geformten Stab unsere Stube besuchte. Er brachte komischerweise auch immer gleich einen finster dreinschauenden Kumpel mit, der nie etwas sagen durfte aber dauern drohend und angsteinflößende Gesten produzierte. Der rauschebärtige Nikolaus blieb nur in Erinnerung, weil dieser genau diesen Knecht Ruprecht an seiner Seite wähnte, welcher außer Geschenke auch noch ein Bündel Ruten mit sich führte. Nikolaus, so wurde uns eingetrichtert, schaut dir das ganze Jahr zu und schreibt alles auf was er positiv und negativ bei dir sieht. Wenn du dann doch mal von Nikolaus erwischt wurdest beim Lügen oder anderen Schandtaten, konnte man diese Missetaten am Nikolausabend durch Aufsagen eines Gedichts oder dem tröten eines Weihnachtsliedes auf der Flöte wiedergutmachen. Meistens hast du es gut gemacht und der Sack von BlackMan Ruprecht öffnete sich und es gab das eine oder andere Geschenk und Gutsle. Komischerweise hat der gruselige Ruprecht aber auch noch eine Rute dem Vater dagelassen…heute weiß ich, dies diente eigentlich nur zur Erinnerung und niemals zum „Arsch-voll-hauen“, da nahm Mama ja eh immer den Kochlöffel… Anfangs war das Nikolaus Gedöns ja noch spannend, aber im Lauf der Jahre wurde es nur noch peinlich und nervig.

 

Als  ich 13 Jahre alt war und meine beiden Cousins am Nikolausabend die glorreiche Idee hatten, mit einem Nikolausglöckchen von Haus zu Haus zu gehen um die Menschen zu verarschen, wollte ich auch mitmachen! Ich fand die Idee super gut, nur wo sollte man so ein Glöckchen herbekommen? Als mir meine älteren Cousins und damaligen Vorbilder mit lautem Gelächter unterbreiteten, dass mein Vater jahrelang den Nikolaus für uns spielte und genau so ein Glöckchen im Schrank habe, war ich sauer. Man hatte mich jahrelang veräppelt und mir etwas vorgegaukelt…na warte! Klar mache ich bei dem Vorhaben mit, grad zum Trotz! Ich eilte nach Hause und stöberte das Glöckchen auf. Voller Freude überbrachte ich meine Beute den Beiden und schon ging es los.

 

An jedem Haus mit kleinen Kindern wurde geklingelt und mit Ho-Ho-Ho in die Sprechanlage geläutet. Ihr glaubt es nicht wie viele Türen daraufhin mit dem surrenden Geräusch des Türöffners auf gingen. Dann hieß es aber sofort die Beine untern Arm und ab…huiii war das Lustig! Ich vermute, dass mein Vater aus irgendeinem Haus darüber angerufen wurde, warum er klingle und dann nicht hereingekommen wäre…denn er stand urplötzlich in der Dunkelheit vor mir. Ich verspürte einen reißenden Schmerz auf meinen Gesichts-Backen und vernahm zeitgleich zwei klatschende Geräusche. Aus meinem Augenwinkel heraus konnte ich zwei noch schneller rennende kindliche Gestalten erkennen, welche ich nach diesem Abend mindestens gleich drei Wochen nicht mehr zu Gesicht bekommen sollte. Und es klatschte wieder, nur dieses Mal spürte ich noch, wie mich die stahlharte Schraubstock-Hand meines Vaters in ungewohnter Unfreundlichkeit ergriff und an meinem Handgelenk nach Hause führte.

 

An dieser Stelle schließt sich der Vorhang um das Schauspiel, welches sich dann noch im heimischen Wohnzimmer abspielte, dem hier lesenden Gutmenschen vorzuenthalten. Ich sage nur soviel: Mein Hinterteil tat noch nach drei Tagen beim Sitzen unangenehm weh und Tages-und Sonnenlicht wurde mir ebenfalls bis zum friedvollem Heiligen Abend verwehrt.

 

Ho-Ho-Ho du kannst mich mal! Ich würde es wieder tun!

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