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Der Hund macht nix...

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich zu dieser Klientin gekommen bin, war es auf Empfehlung oder hatte sie sich damals auf eine meiner Anzeigen gemeldet, die Dame war 65 Jahre jung und wollte einfach nicht mehr rauchen! Man stelle sich an dieser Stelle eine resolute und gesprächsfreudige Frau vor, bei der man immer wieder einmal einen leckeren selbstgebackenen Kuchen zum Kaffee serviert bekommt, wobei aber auch erwartet wird, dass der Zeitbedarf zum Kaffeetrinken für fast eine ganze Lebensgeschichte ausreichen muss. Und außerdem war es noch zu der Zeit, als ich zu meiner Schande noch Hausbesuche gemacht habe, wobei diese Zeit sehr viel zur Weiterentwicklung einer besseren Menschenkenntnis beigetragen hat.

 

Also steh ich an diesem Vorabend im Eingangsbereich eines Mehrfamilien-Hochhauses und suche verzweifelt und leicht genervt im dunklen Hausfluor nach der Klingel meiner Kundin. Das Klingeln konnte ich deutlich vernehmen und sogleich meldet sich eine freundliche Stimme: „I mach grad auf!“ und gegenüber im Fluor öffnet sich eine Türe und ein struppiges, schwarzes Etwas auf vier Pfoten trabt gemütlich auf mich zu. Ich spüre ein leichtes stupsen an meinem Hosenbein und höre sogleich die Worte:

 

 „koi Angscht, der isch scho alt und macht nix!“

 

„I hab koi Angscht, wo muaß i na?“ schrie ich durch den dunklen Fluor, wobei bei jeder meiner Bewegungen mein dunkler, „alter“ Begleiter meinen Beinen folgte.

 

„Bisch du da Hynotisör?“

 

„ Ja, i bins da Michael!,“ erwiderte ich,

 

„no komm hindere, letschde Tür rechts!“

 

Als ich hinten rechts die Tür erreichte und mich eine nette, ältere Dame im hell erleuchteten Türrahmen empfing, war mir wohler. Ich stellte mich kurz vor und die Dame mit ihrem wuscheligen Begleiter bat mich herein. Wir kamen durch einen mit gleichmäßig verteiltem, altmodischem Gruscht ausgestatteten Gang zum lichtdurchflutetem Wohnzimmer. Wir nahmen Platz auf einem eher ebenfalls altmodischem Sofa, welches mit bunten Hundedecken belegt war und ebenso doch auch streng nach dieser Art von Lebewesen duftete. Wie bei jedem Klienten erfragte ich die Beweggründe des gesunden Vorhabens und machte mich auf eine längere Sitzung gefasst…aber es war human, wir waren tatsächlich mit dem Vorgespräch nach 35 Minuten durch!

 

So, und wo sollte die Hypnosesitzung stattfinden? Natürlich auf besagtem Sofa! Das wäre ja überhaupt nicht die Problematik gewesen, der ältere Hund war meine größere Sorge.

 

Mit gerunzelter Stirn gab ich zu bedenken, ob die Fellnase nicht doch stören könnte und meine Klientin versicherte mir, dass der ältere Hundeherr schon sehr alt wäre und sicher nicht mucksen würde. Nun gut, die Dame begab sich in eine entspannte liegende Position und ihr vierbeiniger Freund legte sich vor die Couch. Ich begann mit der Einleitung der Hypnose und alles lief wie am Schnürchen.

 

Nach der zweiten Vertiefung war eine deutliche Tiefenentspannung und leichte Trance an der Dame erkennbar…aber was war mit Bello los? Je entspannter und ruhiger sein Frauchen zu atmen begann, desto unruhiger wurde der ältere Herr vor dem Sofa. Dies ging so weit, dass dieser sich auf einmal mit besorgtem Blick auf seine Besitzerin erhob und mit gestellter Rute vor dem Sofa aufbaute. Und dann ging alles ganz schnell. Vermutlich besorgt fing der Vierbeiner an sein Frauchen anzubellen, was dieser ja sonst „nicht macht!“ Die Folge aus diesem Radau, die Dame kam wieder aus ihrer Trance heraus und saß mir nun mit großen Augen gegenüber. Sie konnte sich das Verhalten ihres Vierbeiners überhaupt nicht erklären und meine Vorarbeit war damit auch dahin.

 

Nachdem sich der sonst so ruhige Hund wieder beruhigt hatte, verabschiedete ich mich von der netten Dame. Wir haben einen neuen Termin vereinbart, dieses Mal dann aber ohne Hund und dieser Termin sollte meiner Klientin dann auch das Leben verändern.

 

Sie wurde das Rauchen los und ich bekam durch ihre zufriedenen Weiterempfehlungen sehr viele neue und gute Klienten.

 

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